Mandarin Oriental Savoy
42 | 43 Andreas Augustin – Wo Lola Montez vergeblich auf ihren Geliebten wartet | Du 932 Beine. Die Summe reicht aber nicht aus. So wird das Basler Handels collegium eingeladen, sich zu beteiligen. Von dort kommen noch mals 100000 Franken. Ein Bauplatz bietet sich beim Fraumünster an. So entsteht im Zentrumdieser aufstrebenden Stadt Zürich ein Gasthof, der sich zum modernen Grandhotel entwickeln wird. Er gilt hier als erster Hotel bau. Baurs Gespür für die richtige Location zeigt sich schon in diesen frühen Jahren deutlich. Im Jahr 1838 ereignen sich in dieser Geschichte zwei wesent liche Dinge. Zunächst zieht die Hauptpost am 31. Oktober 1838 in das neue Zürcher Posthaus, den Zentralhof an der Poststrasse. Die Haupt post ist nicht nur für die Briefpost zuständig, sondern vor allem für den Personentransport. Täglich rattern die Postkutschen aus allen Richtungen über die staubigen Strassen in den Hof. Hier werden die Pferde in den zahlreichen Ställen gewechselt, die Briefpost zur Ver teilung weitergeleitet und die Passagiere aus den Kutschen empfan gen. Wer gegen Abend ankommt und auf die Weiterfahrt wartet, muss die Nacht in Zürich verbringen. Zahlreiche Gasthöfe, wie das Schwert und der Storchen, stehen den Reisenden zur Verfügung. Bis zu 400 Personen kommen so jede Nacht als Logisgäste in die Stadt. Wir entnehmen dies den täglichen Ankunftslisten, die im Zür cher Tagblatt veröffentlicht wurden. Johannes Baur eröffnet seinHôtel Baur am 24. Dezember 1838. Auch wenn es bis heute zweimal grund legend renoviert wurde, so wurde das Hotel immer an derselben Stelle auf den Grundmauern des alten Hauses neu errichtet. Das ist das Schicksal eines Hauses, das um 1838 erbaut wurde. Die alte Bausub stanz zu erneuern, ist jedoch geradezu Pflicht. Nichts währt ewig. Ewig währt hingegen die Erinnerung, besonders wenn sie in so schöne Worte gegossen wird wie im Aufsatz im Reisebild des Wan derers in der Schweiz (eines «viel gelesenen belletristischen Journals») aus dem Jahr 1838, der das Hotel aus erster Hand schildert. Das PR- Genie Johannes Baur vergeudet keine Zeit, diesen ausführlichen Aufsatz, in dem seine einmalige Dachterrasse bejubelt wird, zu ver öffentlichen: «Die Krone aller dieser Säle, Zimmer, Küchen und Keller war das herrliche Belvedere, das sich auf der Zinne des Hauses befindet und einen Spaziergang von ungefähr 300 Fuss Länge und 10 Fuss Breite enthält. Hier ist die Einrichtung getroffen, dass die Gäste in einem italienischen Garten unter Orangen und Blumen sich erho len können, und welches treffliche Rundgemälde liegt hier nicht vor den Blicken der Staunenden: Über die niederen Häuser, welche den Vordergrund bilden, zeigt sich der Spiegel des herrlichen Zür cher Sees, dessen Ufer reizende Villen und Dörfer in bunter Abwechs lung schmücken…» Die technischen Innovationen einer Fernsprecheinrichtung und eines Speisenlifts werden bestaunt: «Auch hier hat der Unter nehmer für eine Einrichtung gesorgt, die man sonst nirgends in die ser Art findet. Es sind nämlich die Vorkehrungen getroffen, sowie der Gast etwas hier zu geniessen wünscht, derselbe es nur einemAuf wärter (Anm.: Kellner) sagen darf; dieser spricht es in eine Öffnung, durchwelche es, vermittelst Sprachröhren, laut in das untere Küchen geschoss tönt, wo dann der Kaffee, oder was es immer sei, auf eine Maschine gestellt wird, welche sich durch eine besonders dazu an gebrachte Mechanik bis an den Ort ihre Bestimmung erhebt, wo dann der Gast zugleich bedient wird.» Das ist also die erste Hotelkritik im Jahre 1838 um die Weih nachtszeit. Ausschliesslichmännliches Dienstpersonal ist engagiert: ein Buchhalter, ein Oberkellner, dreizehn Unterkellner, ein Haupt portier, acht Unterportiere, drei Köche, ein Patissier, ein Confiseur, zwei Küchenjungen, zwei weitere Jungen, ein Küfermeister – der als Handwerker Holzgefässe herstellt – sowie ein Stallmeister und zwei Stallknechte, die am Ende des Hofes den Stall für 36 bis 40 Pferde und eine Remise für fünfzehn Wagen betreuen. Der Reisefüh rer Murray ist schnell zur Stelle. Bereits in der neuen Ausgabe 1839 schreibt er: «Das Hôtel Baur ist ein neues, grosses, hübsches, gemütliches und gut geführtes Haus, mit einem Lesesaal und einem Aussichts punkt auf dem Dach, von dem aus man den See und die Alpen sieht. Es ist gegenüber der neuen Post, am Ufer der Limmat gelegen. Tarife ähneln anderen erstklassigen Gasthäusern. Table d’hôte, bei einem, mit Wein, 3 Fr.; bei fünf, 4 Fr. privat, 6 Fr. Gebühr für die Dienerschaft (inklusive Stiefel), 1 Fr.» Zürich hat also 1838 sein erstes Grandhotel – zu einer Zeit, als die Schweiz noch keine Eidgenossenschaft ist, China ein Kaiserreich und Europa sich sowohl im industriellen Aufbruch als auch in politi schemUmbruch befindet. Die Schweiz selbst wird erst 1848 zur Eidge nossenschaft. Konservative und liberale Kräfte ringen umdie Zukunft der Kantone und den Einfluss der katholischen Kirche. Es ist die Zeit Elektro– & Gebäudetechnik
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