Mandarin Oriental Savoy

40 | 41  Du 932 «Hôtel», so steht es in einem Reisebericht von 1838, französisch mit Accent circonflexe und unter Anführungszeichen hervorgehoben. Der Verfasser staunt: «Die Grossgasthöfe werden in Zukunft wohl so genannt werden!» Vor ihm steht das erste Grandhotel von Zürich. Immerhinmit 142 Räumen, davon zehn Salons, ein Speisesaal zu ebe­ ner Erde, zwei Salons für «Dinner und Déjeuner à part und ein Salon für Manger à la Carte». Viereinhalb Meter ist der Speisesaal hoch. «Die ideale Champagnerkorkenhöhe», konstatiert ein Gourmet. «Hôtel Baur» prangt in grossen Lettern an der Fassade, über griechischen Säulenmit ionischen Kapitellen. «Ich darf auf die Eröff­ nung meines Gasthofes Hôtel Baur hinweisen», annoncierte Johan­ nes Baur persönlich. Mit seinemHotel markiert er den Übergang vom «altväterlichen Gasthofwesen» zur modernen Hotelindustrie. Baur stammte aus dem vorarlbergischen Götzis. Als gelernter Bäcker war er in Zürich zum Gastwirt aufgestiegen. Schnell erkannte er, dass die alten Gasthöfe ein Monopol besassen, jedoch nicht mehr zeitgemäss waren. Der englische Reiseführer Murray brachte es treffend auf den Punkt: «Die Gasthäuser in Zürich sind unglaublich verschmutzt, teu­ er und kaum besucht.» Heute ist das ehemalige Hôtel Baur und spätere Hôtel Savoy Baur en Ville eine Ikone der Schweizer Hotellerie und heisst seit 2023 Mandarin Oriental Savoy, Zurich. Es ist somit Teil der asiatischen Hotelkette Mandarin Oriental. In den 1830er-Jahren ist Zürich angetrieben von politischen Reformen, wirtschaftlicher Expansion und einem aufblühenden in­ tellektuellen Leben. Wirtschaftlich wächst Zürich dank der Textil­ industrie und dem sich entwickelnden Bankwesen. Die Bank Leu, Wo Lola Montez vergeblich auf ihren Geliebten wartet Zürich hat sein erstes Grandhotel einem Vorarlberger zu verdanken. Der gelernte Bäcker Johannes Baur war ein findiger Geschäftsmann und machte sein Hôtel Baur in kurzer Zeit zum Treffpunkt der europäischen Elite. Text ANDREAS AUGUSTIN gegründet 1755, ermöglicht Kaufleuten wichtige Investitionen. Auch wenn grössere Banken erst später folgen, legen private Bankiers in den 1830er-Jahren den Grundstein für Zürichs Status als Finanzzen­ trum. Gleichzeitig prägen radikale Denker wie David Friedrich Strauss die intellektuellen Kreise. Reformideen und die Kritik an etablier­ ten Strukturen gewinnen in den Salons und Universitäten an Boden. Zürich wird so zu einem Ort, wo sich wirtschaftliche, politische und intellektuelle Reformen verdichten. Baur, nicht nur gelernter Bäcker, sondern auch Gastwirt, er­ kennt die Chancen in Zürich und bringt sich in die Zunftstrukturen ein. Er heiratet die «arme, aber schöne» Anna Knechtli und baut sein Gasthaus ZumKirschbaum in der Marktgasse in der Altstadt zu einem angesehenen Treffpunkt für Reisende und Bürger aus. Das nahe gele- gene Rathaus versorgt ihn mit hochrangigen Gästen. Mitglieder des KaufmännischenAusschusses verkehrenebenfalls bei ihm. So schliesst er Kontakte, sammelt Informationen und gewinnt Vertrauen. Er ist vierzig Jahre alt. Als einer der Ersten erfährt Baur vom Neubau der zentralen Poststation. Hier kommen alle Reisenden an. Die neue Münster­ brücke zum Fraumünster wird zur gleichen Zeit gebaut, entworfen übrigens vom Südtiroler Alois Negrelli, der auch an der Planung des Suezkanals beteiligt war. Baur plant mit dem Architekten Daniel Pfister den Bau eines Hotels. Dazu benötigt er Investoren. Er wendet sich an den Kauf­ männischen Ausschuss, dem diese Pläne gerade recht kommen. In­ vestoren werden motiviert, und eine Gruppe Zürcher Investoren bringt sich ein und stellt 68 000 alte Schweizer Franken auf die Lola Montez war die Ge- liebte des bayerischen Königs, Tänzerin, Femme fatale und Gast des Hôtel Baur. Ihr Geliebter lässt sie zwar beschüt- zen, kommt jedoch nicht selbst nach Zürich.

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