Mandarin Oriental Savoy
22 | 23 Dominik G. Reiner im Gespräch mit Oliver Prange | Du 932 reiche Häuser in der Innenstadt hervorragend transformieren und bespielen können, ohne ihren Charme zu zerstören. Sie sind eine Be- reicherung für diese Städte, haben einen ge- wissen Stellenwert und sind äusserst profita- bel. Das macht uns für Investoren interessant. Sie vertrauen uns, dass wir unsere Arbeit im- mer sehr gut ausführen werden. Warum können Sie das so gut? Weil wir in unserem Unternehmen wahnsin- nig viel Know-how haben. Schon vor der Er- öffnung in Zürich kamen uns sehr viele er- fahrene Kollegen zu Hilfe, die unsere Kultur verinnerlicht haben und sie leben. Sie brin- gen ihre Leidenschaft und ihr Engagement ein, sie wissen, was es braucht, damit ein Manda- rin Oriental ein Mandarin Oriental ist. Das ist essenziell. Und so haben wir eine Mischung aus erfahrenen Mitarbeitern und Leuten aus Zürich gefunden. Dieser menschliche Faktor ist der Schlüssel für unseren Erfolg. Wir sind ein sehr offenes Unternehmen, das jedem tolle Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Der Umbau des Hotels war trotzdem herausfordernd. Wie haben Sie ihn erlebt? Er war komplex, aber er lief toll, wirklich ganz toll. Es kommt sehr selten vor, dass ein Um- bau vor Termin fertig wird und keine Extra- kosten erzeugt. On time und on budget, das gibt es fast nie. Manchmal verzögert sich so ein Umbau eher um ein, zwei oder sogar um drei Jahre. Das war hier ganz anders. So konn- ten wir wider Erwarten vor Weihnachten er- öffnen. Das war natürlich grossartig und hat uns sehr gefreut. Was sind die Hauptgründe dafür, dass sich ein Umbau verzögert? Fast immer sind das bauliche Gründe. Wir sind ja oft in alten Gebäuden, und da entdeckt man immer wieder Dinge, die man angehen muss. Oft hat dasmit demBrandschutz zu tun. Während der Pandemie haben wir zum Bei- spiel unser Haus in München renoviert, das auch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Wäh- rend der Renovierung sammelten sich Schot- ter und Kies an, mit denen man früher die Wände verputzte. Der musste weggeschafft und alles gesäubert werden. Das hat den gan- zen Vorgang um einige Monate verzögert. Und dann müssen Sie neu mit Investoren und den Subunternehmern verhandeln? Ja, das sind nicht die schönsten Termine, aber was soll man machen…Wir haben bisher im- mer eine gute Lösung gefunden. Und dann geht man nochmals über die Verträge, die bei solchen Vorhaben so dick sind wie die Bibel. Sie sind ja nicht nur für das Hotel in Zürich verantwortlich, sondern auch für die Häuser in Genf, Luzern und München… …und bald für das neue in Wien. Es sind also fünf. Wie lautet eigentlich Ihre Job-Description? Mein internationaler Titel ist Area Vice Presi- dent, Operations, was viel hochtrabender klingt, als es eigentlich ist. Ich bin Regional- manager und stehe den jeweiligen General Manager der Hotels beratend zur Seite. Sie sind verantwortlich für das Personal vor Ort und natürlich Ansprechpartner für unsere Gäste. Ich bin seit 21 Jahren im Unternehmen und weiss, wo es mal haken kann. Ich helfe ihnen mit meiner Erfahrung, wo ich kann. Wo kann es mal haken? Es sind jetzt nicht unbedingt grosse Dinge, sondern eher strategische Entscheidungen. Gerade in unserer Branche ist der Personal- mangel ein Thema. Zwar betrifft er uns nicht direkt – wir haben kein Problem, neue und enthusiastischeMitarbeiter zu finden –, trotz- Tristan Auer, der schon die Innenausstattung zahlrei- cher Luxushotels entworfen hat, etwa für das Sofitel Le Scribe in Paris oder für das Carlton in Cannes, sieht sich wie ein Schneider, der für seine Kunden Mass- anfertigungen produziert. Denn jeder Kunde ver- wendet sein Haus auf seine Art, jede Umgebung, jeder Ort benötigt eine eigene Herangehensweise. Im Mandarin Oriental Savoy hat er die zurückhaltenden Farben der Stadt aufgenommen, er sagt: «Der Pro- zess beginnt immer damit, dass ich in den Ort eintau- che, die bestehende Architektur erfühle und beob- achte, wie das natürliche Licht sie durchdringt. Dann folgt eine Recherchephase über Materialien, Far- ben und lokale Einflüsse, die den Entwurf in seinem Kontext verankern.» Zusätzlich arbeitete Auer mit Manufakturen und Künstlern aus der Region zusam- men, «um Elemente zu integrieren, die von Schweizer Landschaften und traditionellen Motiven inspiriert sind und einen authentischen Touch verleihen». So ver- binden sich in Auers Augen die diskrete Schönheit Zürichs mit der Eleganz der Marke Mandarin Oriental.
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