Mandarin Oriental Savoy
14 | 15 Du 932 Als am 22. Dezember 2023 die Ehrengäste mit goldenen Scheren das weisse Band durchschneiden und das Mandarin Oriental Savoy, Zurich für eröffnet erklären, läuft es so manchem kalt über den Rü- cken. Zu schön ist das Gefühl, das Hotel wieder zurückzuhaben. Einige der Portiers von der «alten Garde» stehen Spalier mit stolz- geschwellter Brust. Sye Kay Foong, schon im Savoy Hotel Baur en Ville und heute wieder Bankettmanager, rotiert hinter den Kulissen. Alles klappt. Auch in der Menge der Ehrengäste fallen fast hörbar einige Steine von diversen Herzen. Etwa bei Regierungsrat Mario Fehr, bei Laurent Kleitman, Group Chief Executive von Mandarin Oriental, beim CEO der UBS Sergio Ermotti oder bei Rolf Kaufmann, dem Ver- waltungsratspräsidenten der Allco AG. Die Allco hat den Bau termin- und kostengerecht übergeben. Das Team hat den anspruchsvollen Gesamtumbau mit zahlreichen nationalen und internationalen Part- nern koordiniert und übergibt das Gebäude vertragsgerecht an die neuen Betreiber. Jeder und jede des fünfzigköpfigen Teams haben in den zwei Jahren alles gegeben, damit es klappt. Das inkludiert nicht nur, den Bau besenrein zu übergeben, sondern auch das Inventar wie Geschirr, Textilien, einfach alles. Das nennt man ein «turnkey project» oder in der Schweiz «löffelfertige Übergabe». Es ist ein Prestigeobjekt am teuersten und letzten Feld im Schweizer Monopoly, dem Zürcher Paradeplatz. Diese Adresse ist Gold wert und hat eine abwechslungsreiche Geschichte. Begonnen hat es vor den alten Stadtmauern recht bescheiden, als Säumärt. Vom Sauhandel und Viehmarkt zum Neumarkt, dann entdeckt das Militär eine der letzten grossen Flächen und nutzt sie für Paraden. Damit war der heutige Name gefunden. Erst mit der Entwicklung von Zürich in Richtung einer Handels- und Finanzmetropole ändert sich die Bedeu- tung des Platzes. 1838 entsteht eben dort das Hôtel Baur. 1865 wird die Bahnhofstrasse fertig. Der Paradeplatz verwan- delt sich schnell in einen Hotspot. Statt Lebendvieh gibt es hier heute nur noch gegerbtes Leder in Luxusausführung. Banken und luxuriöse Geschäfte drängen an diese prominente Adresse. Es dauert nicht Das Savoy leuchtet wieder Im vor einem Jahr eröffneten Mandarin Oriental Savoy trifft die Zürcher Gesellschaft auf Celebritys und den internationalen Jetset. Es führt somit die glamouröse Geschichte des Hauses fort. Denn der Vorgänger, das Hotel Savoy Baur en Ville, war schon ein Ort für spektakuläre Auftritte und eindrückliche Begegnungen. Text ANDREAS AUGUSTIN lange, und die Bahnhofstrasse mutiert zur exklusiven Einkaufsmeile, die Zürichs Status als internationale Finanz- und Luxusdrehscheibe zementiert. Gaslaternen erhellen anfangs das Geschehen, das Rössli- tram verkehrt zum Bahnhof. Um 1890 wird alles elektrisch. Zürich wird zum Schmuckstück. Als Johannes Baur 1865 stirbt, ist sein grösster visionärer Wunsch in Erfüllung gegangen. Zürich ist an das internationale Eisen- bahnnetz angeschlossen. Dass diese Errungenschaft gleichzeitig der Todesstoss für sein Hotel sein muss, das gegenüber der Poststation auf Passagiere der Postkutschen hofft, scheint klar. Also sendet das Hotel seine Portiers zumBahnhof zu allen ankommenden Zügen und wirbt am Bahnsteig um jeden Gast. Mit der hoteleigenen Kutsche werden die frisch geköderten Gäste dann ins Hotel gebracht. Selbstverständlich kommen die Stammgäste nach wie vor ins Haus. Ihnen ist der Trubel um den Bahnhof lästig und das beschei- dene Understatement des Hotels wichtig. Unter ihnen sind die Ein- käufer der grossen Pariser Mode- und Kaufhäuser Louvre und Prin- temps, die in Zürich bei den Seidenfabrikanten ihre Kollektionen bestellen. Fürst von Thurn und Taxis aus Deutschland, die Hohen lohes, die Schwarzenbergs, das spanische Königshaus, Ministerpräsi- denten sind zu Gast und natürlich die aufstrebenden Schweizer Entrepreneurs wie Karl Franz Bally oder die Suchards aus Neuenburg. Es dauert trotzdem nicht lange, bis sich Baurs Schwiegersohn Christoph Ziesing von dem in die Jahre gekommenen Hotel trennt. Das Hôtel Baur spielt für einige Jahre Bäumchen wechsel dich. Zu- nächst verkauft Ziesing 1872 das Hotel an der Poststrasse schulden- frei für 950000 Franken an ein Basler Bankenkonsortium, das es eine Woche später für 1,1 Millionen Franken an die A.-G. zum Hotel Baur weiterveräussert. 1876 übernimmt das Ehepaar Brunner, Pächter des Café Orsini, das Hotel. Nach demTod ihresMannes führt Frau Brunner- Meyenberg das Hotel allein und verkauft es 1896 für 1,55 Millionen Franken an ihren Schwiegersohn Eugen Möckli Brunner, der es drei Jahre später für 2,25 Millionen Franken an den Spekulanten Jakob Lassmann verkauft. Nun gelangt das Hotel an Jakob Schwarz, der es Das Mandarin Oriental Savoy, Zurich heute. Nach mehreren Häutun- gen und Neubauten hat es nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Hôtel Baur an dieser Stelle. Im Sommer erweitert das hauseigene Bistro seinen Aussenbereich auf den Züghusplatz, eingangs Waaggasse. Das legendäre Miche- lin-Sterne-Restaurant Orsini befindet sich um die Ecke.
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