Mandarin Oriental Savoy
54 | 55 Du 932 Warum trägt das Orsini eigentlich diesen ungewöhnlichen Namen? Der Grund ist im wahrsten Sinne des Wortes revolutionär. Es ist be nannt nach Felice Orsini. Seien wir dankbar, dass es ihn gegeben hat, denn eigentlich hiess das Lokal Zum Meierli, und das wäre für ein italienisches Restaurant nicht gerade passend. Felice Orsini lebt 1852 in Zürich. In das zum Hôtel Baur ge hörige Lokal Zum Meierli kehrt er besonders gern ein. Mit ihm auch deutsche und andere 1848er-Revolutionäre, denen die Flucht aus den deutschen Fürstentümern und Österreich nach mehr oder weniger erfolglosen Revolutionen gelungen ist. In ihrer Heimat waren sie ge gen die herrschende Klasse auf die Barrikaden gegangen. Hier in der Schweiz können sie ihremGroll gegen das Establishment freien Lauf lassen, ohne sofort verhaftet zu werden. Auch Felice Orsini, immerhin ein Spross des berühmten italie nischen Geschlechts der Orsini, das eine ganze Reihe von Päpsten und Kardinälen hervorgebracht hat, ist ein Revolutionär. Felice Orsini lebt zur Sicherheit längere Zeit unter falschemNamen in Zürich. Niemand im Zum Meierli ahnt, welch furchtbare Energie in ihm brodelt. Das wird erst seine spätere filmreife Flucht aus dem Turm- gefängnis in Mantua und das Attentat auf den Kaiser der Franzosen zum Vorschein bringen. Im Oktober 1854, während des Krimkrieges, verlässt Orsini jedenfalls die Familie des Dichters Georg Friedrich Herwegh, bei der er in Zürich zu Gast war. Er reist über Mailand, Venedig, Triest und Wien nach Siebenbürgen. Angeblich möchte er an die Front im Krimkrieg. Dummerweise eilt ihm sein Ruf als Revolutionär voraus. Er wird beim Aussteigen aus der Kutsche fest genommen. Der italienische Freiheitskämpfer wird in die Festung von Mantua gebracht. Von dort gelingt ihm eine spektakuläre Flucht. Von einer Freun din in Zürich lässt er sich drei besonders starke Sägeblätter in einen Buchrücken einarbeiten. Das Buch wird ihm ins Gefängnis gebracht. Er sägt sieben Gitterstäbe seiner Zelle durch. Der Turm ist dreissig Meter hoch, doch er schnuppert die Frei heit. Mithilfe von Bettlaken seilt er sich ab. Er flieht nach England. Dort lässt er nach seinen Plänen eine Bombe bauen. Orsini plant ein Attentat, das spektakulär sein sollte und eine Botschaft an die Mächtigen Europas sendet. Es ist der Urknall des Revolutionäre Wurzeln Gault Millau kürte das Mandarin Oriental Savoy 2024 zum Hotel des Jahres 2025. Ein wesentliches Augenmerk der Tester fiel dabei auf das hoteleigene Orsini. Chefkoch Dario Moresco und sein Souschef Gianmarco D’Alonzo erhielten sechzehn von neunzehn möglichen Punkten und einen Michelin-Stern. Es ist ein weiterer Höhepunkt des italienischen Restaurants, dessen Geschichte als erhaltene Urzelle des Hotels weit zurückreicht. Text ANDREAS AUGUSTIN Bombenterrors. Sein Ziel: der französische Kaiser. Zeit und Tatort: möglichst publikumswirksam, also zumBeispiel die Auffahrt vor der Pariser Oper. Am Tag des Attentats läuft alles nach Plan. Es ist der 14. Januar 1858. Als die Wagenkolonne des französischen Kaisers um neun Uhr abends vor der Oper in der Rue Le Peletier erscheint, schleudern Orsini und seine Kumpane vier Bomben. Die Wucht der Explosionen ist so enorm, dass die Strassenbeleuchtung verlischt, das Glasdach über dem Eingang der Oper zerbirst und über hundert Menschen verletzt werden oder sterben. Kaiser Napoleon III. und seine Frau klettern benommen, aber unverletzt aus ihrer Kutsche. Orsini kann zunächst flüchten, wird aber bald verhaftet. Er be kennt sich während der Verhandlung zur Tat und gibt ausführliche Auskunft über seine liberalen Motive. Orsinis Auftritt ist so würde voll und ernst und gleichzeitig so aristokratisch lässig, dass er zum Liebling des Publikums avanciert. Angeblich sei auch Napoleon III. von ihm so beeindruckt gewesen, dass er Orsini sein Bedauern mit teilen liess, dass die Vollstreckung der Todesstrafe aus Gründen der Staatsräson leider unumgänglich sei. Am 13. März 1858 werden Orsini und ein Komplize öffentlich durch die Guillotine hingerichtet. Und warumwird im Frühling 1858 das Meierli zum Café Orsini? Der Dichter Georg Friedrich Herwegh und Oberst Friedrich Wilhelm Rüstow, zwei ebenfalls revolutionär gesinnte Zeitgenossen, hängen aus Sympathie für den Attentäter dessen Porträt in ihr Stammlokal im Hôtel Baur. Offensichtlich haben die beiden damit auch den Nerv des Hoteliers Johannes Baur getroffen, denn er stimmt zu, dass das Lokal fortan den Namen Café Orsini führt. Und so blieb es das Orsini . Seit 1858. Felice Orsini, italienischer Adeliger und Attentäter, war Stammgast im Café des Hotels. Er wurde später der Namensgeber des Restaurants. Das Bild stammt aus dem Jahr 1858 .
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